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Hamburger Modell

Hamburger Modell

Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess

Beschäftigungsfähigkeit nachhaltig sichern,
mit der Wiedereingliederung alle Chancen nutzen.

 
Nach längerer Arbeitsunfähigkeit eines Beschäftigten stellt sich die Frage wie man anschließend in das Arbeitsleben wieder integriert werden kann. Eine Möglichkeit ist das sogenannte „Hamburger Modell“.

 
Es regelt die stufenweise Wiedereingliederung der Erkrankten, die von einigen Wochen (Regelfall) bis zu sechs Monaten (Einzelfall) dauern kann. Die Arbeitsaufnahme kann in mehreren Zeitstufen ablaufen, die vom behandelnden Arzt vorgeben werden z.B.

Stufe 1 – tägliche Arbeitszeit von 2 Stunden (ca. 2 Wochen)
Stufe 2 – tägliche Arbeitszeit von 3 Stunden (ca. 2 Wochen)
Stufe 3 – tägliche Arbeitszeit von 6 Stunden (ca. 2 Wochen)

 
Wie wird das „Hamburger Modell“ in die Wege geleitet?

Zunächst muss der Beschäftigte mit der Maßnahme einverstanden sein.

Anschließend stellt der behandelnde Arzt einen Wiedereingliederungsplan mit Stundenanzahl und ggf. Tätigkeitseinschränkungen auf. Rentenversicherungsträger, Krankenkasse, Ärztliche Abteilung (Poliklinik), Abteilung/Bereich sowie die Personalabteilung müssen der Maßnahme zustimmen.

Jetzt muss geklärt werden, ob der Betroffene an seinem bisherigen Arbeitsplatz eingesetzt werden kann oder ein Ersatzarbeitsplatz zur Verfügung steht.

Die Terminvereinbarung in der Ärztlichen Abteilung wird über den Mitarbeiter oder die Personalabteilung abgestimmt. Nach Zustimmung der Ärztlichen Abteilung zur Maßnahme muss die Krankenkasse und der Vorgesetzte das Verfahren genehmigen.

Danach informiert der Beschäftigte die zuständige Personalabteilung (HR) über den geplanten und genehmigten Einsatz.

Eine schriftliche Bestätigung der Maßnahme sollte durch die Personalabteilung erfolgen!

Arbeitgeber sowie Arbeitnehmer können jederzeit aus medizinischen Gründen die Wiedereingliederungsmaßnahme abbrechen.

In diesem Fall sollten Arbeitgeber und der Beschäftigte unbedingt vorab mit der Krankenkasse sprechen.

So bleibt das Ganze immer ein gemeinsames Projekt welches keine der Parteien mutwillig und einseitig abgebrochen hat.

Nimmt der Betroffene an sieben Tagen aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Maßnahme teil, so gilt diese ebenfalls als gescheitert.

Das „Hamburger Modell“ ist in Deutschland grundsätzlich nur für Mitglieder einer gesetzlichen Krankenversicherung vorgesehen. Privatversicherte können jedoch ein ähnliches Procedere anstreben.
 

Vergütung
Während der Wiedereingliederungsmaßnahme gilt der Beschäftigte weiterhin als arbeitsunfähig und erhält somit Kranken-/Verletzten bzw. Übergangsgeld. Im Rahmen der derzeit geltenden Regelwerke zahlt LANXESS während der Dauer der Maßnahme einen Zuschuss zum Kranken-/Verletzten bzw. Übergangsgeld. bei einer regelmäßigen Wochenarbeitszeit von

 

mehr als 20 Stunden:
Differenz zwischen Nettogehalt (vor Erkrankung) und Nettokrankengeld.

 

Bis zu 20 Stunden:
Differenz zwischen Nettoentgelt (vor Erkrankung) und Bruttokrankengeld.
Krankengeldzuschüsse sind Bruttozuwendungen.

Der Arbeitgeberzuschuss zur Entgeltumwandlung z. B. TEA (Tarifvertrag für Einmalzahlungen und Altersvorsorge) entfällt ab der Zahlung von Krankengeld (nach 6 Wochen Lohnfortzahlung) bis zum Abschluss der Wiedereingliederungsmaßnahme.

Der Anspruch auf die Jahresleistung wird nicht gemindert wenn der Arbeitnehmer im laufenden Kalenderjahr mindestens einen Monat zusammenhängend gearbeitet hat.

Bei Fehlzeiten von mehr als 225 Arbeitstagen (6 Monate + 6 Wochen) gibt es eine anteilige APP (Annual Performance Payment = Bonus) Auszahlung auf Basis der restlichen Kalendertage.

Der gesetzliche Urlaubsanspruch wird hiervon nicht berührt jedoch wird der tarifliche Urlaubsanspruch von bis zu 8 Tagen nach dem 31.01. des folgenden Jahres in das Langzeitkonto übertragen.
 

Das „Hamburger Modell“ im Schichtbetrieb

Bei Beschäftigten in Wechselschicht wird das „Hamburger Modell“ in der Regel in Tagschicht durchgeführt. Jedoch kann auch auf Wunsch des Beschäftigten die Maßnahme auch auf Früh- und Spätschicht, bzw. auf Wechselschicht durchgeführt werden.
 

Urlaub / Freizeit

Die Teilnahme an der Gleitenden Arbeitszeit sowie Inanspruchnahme von Gleitzeit, Urlaubstagen oder sonstiger Freizeitnahme kann während der Maßnahme nicht realisiert werden.
 

Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)

Zur Einleitung des Verfahrens zum „Hamburger Modell“ stehen den Beschäftigten nicht nur die Mitglieder des BEM-Teams zur Verfügung. Jeder Betroffene hat das Recht, ein Betriebsratsmitglied seines Vertrauens hinzuzuziehen.
 

Ralf Deitz, über viele Jahre Mitglied des BEM-Teams und Sprecher der Fraktion „Die Neue Liste“ steht für Fragen gerne zur Verfügung und ist unter der Tel.-Nr. 0221-8885-4682 zu erreichen.